Entlüftung des Kurbelgehäuses
Bei Einzylindermotoren, Boxermotoren und Paralleltwins wird durch die Bewegung des Kolbens das Volumen des Kurbelgehäuses um den Hubraum verkleinert bzw. vergrößert. Dieses oszillierende Gas reisst einen Ölnebel mit sich, der bei der Regina unter anderem dazu dient den Zylinderkopf mit Öl zu versorgen. Genau dieser Ölnebel kann durch die Entlüftung entweichen und zu Ölaustritt führen. Je enger der Querschnitt, desto größer die Gasgeschwindigkeit, umso mehr Öl kann transportiert werden. Hinzu kommen noch Verbrennungsgase die an den Kolbenringen vorbei ins Kurbelgehäuse gelangen. Je verschlissener die Kolbenringe und je größer der Zylinderverschleiß, desto größer ist dieser Effekt. Der im unteren Totpunkt entstehende Überdruck muss durch eine geeignete Entlüftung abgebaut werden, da dies sonst an Dichtungen und Simmerringen passiert, vor allem wenn diese nicht mehr im Neuzustand sind.
Die Entlüftung der Motoren, genaugenommen des Kurbelgehäuses war und ist immer wieder Diskussionsgrund im Forum, wesshalb die Suchfunktion ausreichend Ergebnisse auswerfen sollte. Austretendes Öl, egal ob am Kontrollstab des Getriebes, oder dem Ölkanal an der Unterseite des Motors wurde oft der nicht korrekt arbeitenden Entlüftung angekreidet.
Hier ein Beitrag von Volker vom 30 Jan. 2005 11:45 zu diesem Thema:
Hallo, der Ölaustritt am Kontrollstab war schon immer eine Problem, weswegen das Horexwerk sich damit auch in den Kundendienstmitteilungen befasst hat. Hier ein Auszug (Rundschreiben 3/51 vom 23.11.1951), der ebenfalls deutlich macht, dass es nicht an der Kontruktion an sich liegt, sondern Mängel beim verwendeten Material und beim Zusammenbau die Ursache bilden:
"Ursache ist immer eine undichte Stelle am Motor, wobei durch den entstehenden Unterdruck das Öl am Kontrollstab austritt. Es sind zunächst folgende Teile zu prüfen:
Dichtung der Kipphebelkappe E1ME 37;
Dichtung des Kipphebeldeckels E1ME 36;
Dichtring E1MJ O-a;
der Sitz der Kolbenringe;
der Zylinderkopf E1ME 2 ist auf poröse Stellen zu überprüfen."
Der letzte Hinweis des Horexwerkes ist besonders interessant, denn er bedeutet, dass bei der Fertigung der Zylinderköpfe mitunter im Guss Fehler aufgetreten sind. Bei porösen Köpfen konnte der Ölaustritt in manchen Fällen nur durch den Austausch des Zylinderkopfes abgestellt werden! Die Tatsache, dass Horex so unverblümt auf diese Fehlerquelle hinweist, lässt meiner Meinung nach erkennen, dass dieser Fehler nicht nur bei jeder tausendsten Regina aufgetreten sein wird.
Gruss Volker
Was wohl so zu verstehen ist, dass wenn der Motor Technisch in einem brauchbaren Zusatnd ist, was meinen soll er ist Dicht und die Führungen und Kolbenringe sind in Ordnung, funktioniert auch die Entlüftung. Der Umbau auf eine Entlüftung im Ventildeckel oder ähnliches mindert möglicherweise den Ölverlust, behebt aber nicht das eigentliche Problem. Solltet Ihr dennoch nicht von der Entlüftung überzeugt sein und wollt diese Verbessern gab es hierzu schon einige Diskussionen im Forum.
Alle Rundmotoren haben original eine Drehschieberentlüftung über das Primärritzel, die Spitzmotoren ein Flatterventil. Letztere entlüften den Überdruck des Kurgelgehäuses entweder ins Primärgehäuse oder durch einen Kanal zur Unterseite des Motors. Jene mit Drehschieber entlüften nur durch diesen Kanal.
Drehschieberentlüftung
Das Bild zeigt die Drehschieberentlüftung eines Rundmotors. Durch die zentrale Bohrung des Wellenzapfens an der LiMa Seite wird der Über/Unterdruck durch die Bohrungen (1 & 2) zwischen die beiden Simmerringe (über und unter dem Aluteil rechts oben) geführt. Bei passender Kurbelwellenstellung wird der Kanal (3) durch das Primärritzel (nicht im Bild!), das ebenfalls zwei mit den KW-Bohrungen deckungsgleiche Bohrungen aufweist freigegeben. Die Entlüftung erfolgt an der Unterseite des Motors durch Kanal 4. Wenn der Motor hier den einen oder anderen Tropfen Öl verliert, ist das nicht beunruhigend.
Flatterventil
Hierbei gibt es zwei verschiedene Arten der Entlüftung mittels Flatterventil. Jene die in das Getriebegehäuse entlüftet und jene, die über den Kanal an die Unterseite des Motors führt. Bei der Erstgenannten kann es vorkommen, dass Motoröl ins Getriebe gedrückt wird und der Getriebeölstand ansteigt. Im Gegenzug dazu entfällt der Öltropfen, der sonst an der unterseite des Motors abläuft.
Das Flatterventil ist einer gewissen Trägheit unterworfen, was heisst dass es besonders bei hohen Drehzahlen verstärkt zu Ölaustritt kommen kann.
Zu sehen ist das Flatterventil eines "breiten" 03er Spitzmotors, der ins Primärgehäuse entlüftet. Der nach unten führende Kanal ist hier blind
Haubenentlüftung
Diese Entlüftung wird nachträglich in die Zylinderkopfabdeckung eingebaut und auch so von verschiedenen Händlern angeboten. Eine Anleitung und weitere Bilder sind in der Forumgalerie zu finden. Die originale Entlüftung muss selbstverständlich außer Betrieb gesetzt werden



