Steuerung und Steuerzeiten
Die Position und Art des Steuertriebes und dessen Varianten werden hier genauer erklärt. Auf die Einbauposition, die unterschiedlichen Nockenwellen und deren Steuerzeiten und das Überprüfen mit der 2 mm Methode wird eingegangen.
Steuertrieb
Unter dem kleinen Deckel an der rechten Seite des Motors versteckt sich neben der Ölpumpe auch die Nockenwelle, welche die Steuerung der Ventile übernimmt. Die Kraftübertragung erfolgt über Schlepphebel, Duraluminium-Stösselstangen und Kipphebel zu den Ventilen. Näheres hierzu ist unter Regina - Motor - Ventiltrieb zu finden. Die Nockenwelle ist 2:1 zur Kurbelwelle übersetzt, was in der ersten Serie der Regina und SB35 durch eine Steuerkette erreicht wurde.
Steuerung mittels Kette (Regina 0, SB35 und Victoria KR35) mit "A" gekennzeichneter Auslassnocken
Ab der Regina 01 wurde diese von schrägverzahnten Stirnrädern abgelöst. Wesentlich ist hierbei, dass sich damit der Drehsinn der Nockenwelle ändert und nun der Einlassnocken außen liegt, statt dem Auslassnocken, praktisch wurde sie um 180° gedreht. Dies hatte fertigungstechnische Gründe, da man die Nockenwelle dadurch auf der selben Werkzeugmaschine fertigen konnte.
Steuerung mittels schrägverzahnter Stirnräder, Mit "E0-liegend" gekennzeichneter Einlassnocken
In beiden Fällen sitzt das untere Zahnrad, welches auch den Antrieb der Ölpumpe übernimmt, mit einem Kegelsitz auf der Kurbelwelle und ist in gelöstem Zustand frei drehbar. Beide Bilder zeigen den Einbauzustand bei der Montage, wenn sich der Kolben im oberen Totpunkt (OT) befindet. Bei der Kette müssen die beiden eingeschlagenen "0" zueinander zeigen und leicht links von der Mitte stehen. Bei den Nockenwellen mit Stirnradantrieb (E, E1, E0-liegend, E0-stehend, E2) muss die eingeschlagene "0" in OT-Stellung unten liegen. Genaugenommen muss die rechte Zahnflanke des mit "0" gekennzeichneten Zahns auf der Verbindungslinie der beiden Zahnradachsen liegen, wie nachstehendes Bild Zeigt.
Nockenwellen
In nachstehender Tabelle sind die Steuerzeiten für verschiedene Regina Nockenwellen mit Stirnradantrieb aufgelistet. Die obere Zeile gilt jeweils bei Betriebsspiel, die untere bei 2 mm Ventilspiel. Die mit "E" gekennzeichnete Nocke entspricht weitgehend der kettengetriebenen "A" Nocke. Die "E2" wurde speziell für die Regina 02 angepasst und die "86" stellt eine Sportliche Variante mit den selben Steuerzeiten der "E" Nocke, aber erhöhtem Ventilhub und fülligerem Profil dar. Mehr hierzu ist in den Betriebsanleitungen sowie im Horex Boten 4/91 Seite 22 & 23 zu finden.
| Nockenwelle |
EÖ °vOT |
ES °nUT |
AÖ °vUT |
AS °nOT |
Übersch- neidung |
Spreiz- ung |
Ventil- hub [mm] |
Bemerkung |
| E | 50 | 80 | 90 | 70 | 120 | 105 | E: 8.48 | "Tangentennocken" |
| A: 8.55 | ||||||||
| E1 | 90 | 110 | 120 | 90 | 180 | 107.5 | E: 8.69 | lange Rampe |
| A: 8.72 | "Integralnocken" | |||||||
| E0-stehend | 50 | 70 | 90 | 60 | 110 | 105 | E: 8.36 | |
| A: 8.20 | ||||||||
| E0-liegend | 50 | 80 | 100 | 60 | 110 | 107.5 | E: 8.33 | Regina 03, 06 |
| 0 (0) | 28 (25) | 39 (37) | 0 (2) | A: 8.21 | ||||
| E2 | 60 | 80 | 110 | 70 | 130 | 105 | E: 7.55 | für Regina 2 |
| 6 | 25 | 25 | 6 | A: 7.29 | ||||
| E86 | 50-55 | 80-85 | 90-95 | 50-55 | 120 | 105 | E: 9.2 | |
| A: 8.9 | ||||||||
| Betriebsspiel E 0.05 mm, A 0.10 mm | ||||||||
| 2 Millimeter Ventilspiel | ||||||||
Die 2 mm Methode
Hier gibt es eine kurze Erklärung in fünf Schritten, wie man die Steuerzeiten seiner Regina einstellt. Das große Ventilspiel ist von Vorteil, da bei Betriebsspiel der tangentiale Übergang wenn das Ventil öffnet nur schwer erkennbar und dementsprechend ungenau ist. Die Einstellung auf die Ventilüberschneidung funktioniert brauchbar, da die Nocken der Regina einigermaßen symmetrisch sind. Das Beispiel zeigt eine Regina 03 mit E0 Nockenwelle.
Schritt 1: Benzinschläuche lösen, Tank runter - hier
gab's schon mal den Tipp die Satteldecke mit Vaseline einschmieren damit
man sie nicht verschandelt und es leichter geht.
Schritt 2: Dekompressor aushängen und den Ventildeckel abnehmen.
Schritt 3: Kerze raus, Totpunkt finden (mit OT-finder, oder Anschlagschraube) und Gradscheibe und Zeiger anbringen. Ich hab dafür eine bedruckbare CD verwendet, und das Innenleben eines Scheibenwischergummis. Die Gradscheibe könnt Ihr hier runterladen.
Den Bügel habe ich um den Zylinderfuß gebogen und zu Sicherheit mit einem Magnet gesichert. Damit kann man Ihn jederzeit wieder reproduzierbar montieren. Sicherheitshalber hält ihn noch ein Magnet.
Wenn man den Steuerdeckel ohnehin öffnen will, kann man auch die Nockenwelle rausnehmen und direkt durch die Buchse auf die Kurbelwelle schauen, um den OT einzustellen. Geht sehr gut!
Schritt 4: Nun noch 2 mm Ventilspiel einstellen - Falls man kein passendes 2 mm dickes gewinkeltes Blech hat, tut's zur Not auch ein kleiner Inbusschlüssel. Bei mir ist es sich aber nur knapp ausgegangen die 2 mm einzustellen, da waren beide Stellschrauben schon am Anschlag.
Schritt 5: Und nun dreht man den Motor an der Ankerschraube, am Hinterrad im 4. Gang oder mittels Kickstarter soweit, bis sich die beiden Ventile überschneiden (Auslass schließt, Einlass öffnet). Mit 2 mm Ventilspiel sollten an diesem Punkt beide Stösselstangen gerade noch frei (vielleicht streng) drehbar sein. Ist der Punkt gefunden sollte die Gradscheibe nun idealerweise auf OT stehen. Tut sie das nicht (wie in meinem Fall - Steuerdeckel öffnen, Ölpumpenrad mit Abzieher abziehen und die KW auf OT bringen. Die Nockenwelle wird im Überschneidungspunkt von den beiden Ventilfedern gehalten, da sollte sich also soweit nichts verstellen. Alles Fixieren und dann nochmal prüfen. Nicht vergessen: Bei jeglicher Einstell- und Ablesearbeit den Steuerdeckel aufsetzen oder die Nockenwelle durch geeignetes Werkzeug (WH 59) zu stützen, da sie sonst kippt und dass gleich einige Kurbelwellengrade Fehler aus macht! Unter Umständen nochmal die Steuerzeiten ablesen (wenn die Stösselstange gerade wieder frei wird/klemmt) und mit den Tabellenwerten vergleichen. Wenns passt, Betriebsspiel einstellen und alles in umgekehrter Reihenfolge wieder zusammensetzen.
Hier noch meine Erfahrungen: Ich habe meinen Motor (03er-Spitz, E0 "liegend"-Nocke) nach der = Markierung und der Zähnezahl zusammengebaut. Es ergab sich eine Differenz zur 2 mm Methode von 5 KW-Graden.
Steuerzeiten (Betriebsspiel):
EÖ: 50/46 vOT (50)
ES: 60/60 nUT (80)
AÖ: 75/77 nOT (80)
AS: 57/55 nOT (60)
in Klammern die werte aus dem HB - Zugegebenermaßen, bei Betriebsspiel sind die Werte recht ungenau. Die angeführten Werte gelten für die E0 "liegend"-Nocke in meinem 03er- Spitzmotor mit Alukopf. Endergebnis: Sie hat zwar etwas gezickt und aus dem Vergaser gespuckt - mit Choke ist sie dann super angesprungen. Drehmoment ist subjektiv besser, die Vibrationen ab 110/120 am Tacho (real so 90-100 kmh sind nicht wesentlich weniger geworden. Dennoch - die Arbeit hat sich gelohnt! Zudem ich auch gleich die Zahnradölpumpe eingebaut habe.
viel Vergnügen beim Schrauben!
Christoph










